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nathan der weise

Was hat Theodor Storm auf eine die kulturellen und weltanschaulich-politischen Grenzen seltsam leicht iibersprin-gende Weise liber Jahrzehnte hinweg zum popularsten und meist-gelesenen deutschen Autor des ausgehenden 19. Jahrhunderts werden lassen? Wie kommt es, dass in den ersten 20 Jahren der Nachkriegszeit in Deutschland uber zehn Millionen Bande - viele davon als Schullekture - ihre Verbreitung fanden? Gewiss wird die in Storms Erzahlungen begegnende "heile Welt", in der Tugenden wie Ehrfurcht, Pflicht, aufopfernde Liebe, Stolz und Redlichkeit in Geltung sind, dazu beigetragen haben und jetzt wieder dazu beitragen. Doch geht es Storm inmitten schein-barer Idylle in Wahrheit um den Konflikt, um die drohende Zerstorung, um die Gestalten im Abseits, die hinter der mora-lischen Hygiene der Gesellschaft deren alles andere als "burger-liche" Absichten zum Vorschein kommen lassen. Ob sich Vater und Sohne entzweien, Ehen ungliicklich oder zerstort werden oder das kommunale Miteinanderleben vor der andringenden Zersetzung steht, stets werden die moralischen Institutionen biir-gerlichen Lebens in der Situation der Belastungsprobe gezeigt. Nicht naiv-nostalgische Sehnsucht nach einem urspriinglidi Ge-wesenen macht Storms Novellen wieder lesbar, wohl aber der inzwischen schmerzlich gescharfte Sinn fiir die humane Potenz solcher irreversibel verlorenen Unmittelbarkeit zur Natur, jenes Wissen, dass hier nicht die Natur, sondern der Mensch vor der Bedrohung durch sich selbst steht. Angesichts deren latenter Chao-tik an der Grenze zwischen dem nodi Moglichen und dem nicht mehr Moglichen schrieb Storm seine Geschichten.

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